Laibhaftig
Kompendium · Kapitel 4

Rechnen in der Backstube

Bäckerprozente, Teigausbeute, Salz, Wassertemperatur, Hefemenge und Backzeit – die Formelsammlung mit Herleitungen, Rechenbeispielen und Richtwerten.

Inhalt dieses Kapitels

Brotbacken ist Handwerk, aber ein gutes Stück davon ist schlichte Arithmetik. Wer die wenigen Formeln dieses Kapitels beherrscht, kann jedes Rezept lesen, vergleichen, vergrößern, verkleinern und an den eigenen Zeitplan anpassen. Alle Formeln hier sind dieselben, mit denen die interaktiven Rechner der App arbeiten – du findest sie gesammelt unter Rechner der App. Zu jeder Formel gibt es eine kurze Herleitung, ein durchgerechnetes Beispiel und Richtwerte für die Praxis.

Bäckerprozente#

Das wichtigste Werkzeug zum Verständnis von Rezepten ist das Bäckerprozent. Dabei wird jede Zutat nicht auf das Teiggewicht, sondern auf die Gesamtmehlmenge bezogen, die immer 100 % beträgt. Ein Teig aus 1000 g Mehl, 700 g Wasser, 20 g Salz und 10 g Hefe hat demnach 100 % Mehl, 70 % Wasser, 2 % Salz und 1 % Hefe. Die Summe aller Prozente liegt immer über 100 – in diesem Fall bei 173 %.

Bäckerprozente: Mehl 100 %, Wasser 70 %, Salz 2 %, Hefe 1 % – mit Grammangaben für 1000 g Mehl Alles bezogen auf die Mehlmenge = 100 % Anteil vom Mehl bei 1000 g Mehl Mehl 100 % 1000 g Wasser 70 % 700 g Salz 2 % 20 g Hefe 1 % 10 g Summe 173 % → 1730 g Teig · Hydration 70 % = Teigausbeute (TA) 170
Abb. 4.1 Bäckerprozente am Beispiel: Mehl 100 %, Wasser 70 %, Salz 2 %, Hefe 1 % – für 1000 g Mehl sind das 1000 g, 700 g, 20 g und 10 g.

Die Grundformel#

Zutat %  = Zutat g ÷ Gesamtmehl g × 100
Zutat g  = Zutat % × Gesamtmehl g ÷ 100
Mehl g   = Teiggewicht g ÷ (Summe aller Prozente ÷ 100)

Warum bezieht man sich auf das Mehl und nicht auf den ganzen Teig? Weil das Mehl die Zutat ist, um die sich alles dreht: Es bindet das Wasser, bildet den Kleber und bestimmt, wie viel Salz und Hefe nötig sind. Ein Verhältnis von 2 % Salz auf Mehl bleibt gleich, egal ob du ein Brötchen oder zehn Laibe backst. Würde man auf das Teiggewicht beziehen, änderte sich jeder Prozentwert, sobald du etwas Wasser hinzufügst.

Die dritte Zeile ist die Umkehrung: Kennst du die Prozente und willst ein bestimmtes Teiggewicht erreichen, teilst du das Teiggewicht durch die Prozentsumme (als Dezimalzahl). Das Ergebnis ist die Mehlmenge, aus der sich alle anderen Zutaten ableiten lassen.

Rechenbeispiel

Du möchtest zwei Laibe à 900 g Teig backen, also 1800 g Teig, mit dem Rezept 100 % Mehl, 70 % Wasser, 2 % Salz, 1 % Hefe.

  • Prozentsumme: 100 + 70 + 2 + 1 = 173 % → 1,73
  • Mehl: 1800 g ÷ 1,73 = 1040,5 g
  • Wasser: 70 × 1040,5 ÷ 100 = 728,3 g
  • Salz: 2 × 1040,5 ÷ 100 = 20,8 g
  • Hefe: 1 × 1040,5 ÷ 100 = 10,4 g

Probe: 1040,5 + 728,3 + 20,8 + 10,4 = 1800,0 g. In der Praxis rundest du auf 1040 g Mehl, 728 g Wasser, 21 g Salz und 10 g Hefe.

Rechner: Bäckerprozente → Gramm

Mehl ist die Bezugsgröße und immer 100 % – bei mehreren Mehlsorten teilen sich die Mehlzeilen diese 100 % (z. B. 70 % Weizen + 30 % Roggen). Mehl = Teiggewicht ÷ (Summe aller Prozente ÷ 100); jede Zutat = Mehl × Prozent ÷ 100.

Typische Rezeptprofile in Bäckerprozent#

Wer Rezepte in Bäckerprozent notiert, erkennt Gemeinsamkeiten auf einen Blick. Die folgende Tabelle zeigt grobe Profile – die genauen Werte hängen von Mehl, Methode und Vorlieben ab.

Gebäck Wasser Salz Frischhefe Fett Zucker Besonderheit
Baguette 65–75 % 1,8–2,0 % 0,2–1,5 % – – oft mit Poolish
Weizenbrot freigeschoben 65–75 % 2,0 % 0,5–2 % 0–2 % –
Ciabatta 75–85 % 2,0–2,2 % 0,3–1 % 0–3 % (Olivenöl) – sehr weicher Teig
Brötchen 58–65 % 1,8–2,0 % 2–4 % 2–5 % 0–2 %
Toastbrot 58–65 % 1,8–2,0 % 2–3 % 5–10 % 2–5 % Kastenform
Roggenmischbrot 70–80 % 1,8–2,0 % 0–1 % – – Sauerteig 20–40 % Mehl
Roggenvollkornbrot 80–95 % 1,8–2,0 % 0–0,5 % – – oft mit Brühstück
Butterzopf 45–55 % (Milch) 1,2–1,5 % 3–5 % 10–20 % 5–10 %
Pizza neapolitanisch 58–65 % 2,5–2,8 % 0,1–0,3 % – – lange Gare

Praxistipp

Notiere jedes neue Rezept gleich in Bäckerprozent. So erkennst du sofort, ob ein Rezept „aus der Reihe tanzt“ – etwa 3 % Salz oder 90 % Wasser bei einem Weizenmehl Type 550. Häufig steckt dann ein Tippfehler dahinter.

Teigausbeute und Hydration#

Im deutschsprachigen Bäckerhandwerk beschreibt man die Teigfestigkeit traditionell mit der Teigausbeute (TA). Sie gibt an, wie viel Teig aus 100 Teilen Mehl entsteht, wenn man nur Mehl und Wasser betrachtet. International üblicher ist die Hydration, also die Wassermenge in Prozent vom Mehl. Beide Angaben meinen dasselbe und lassen sich direkt ineinander umrechnen.

Umrechnung TA ↔ Hydration#

TA = (Mehl + Wasser) ÷ Mehl × 100 = 100 + Hydration %
Hydration % = TA − 100

Eine TA von 170 bedeutet also: 100 g Mehl und 70 g Wasser ergeben 170 g Teig – die Hydration beträgt 70 %. Eine Sauerteigführung mit TA 200 enthält gleiche Teile Mehl und Wasser (Hydration 100 %).

Teigausbeute-Skala von TA 150 bis 200 mit typischen Bereichen: Brezel, Weizenbrot, Roggenbrot, Ciabatta, Sauerteig Brezel, sehr fest 150–155 Weizenbrot 165–175 Roggenbrot 175–185 Ciabatta 180–190 flüssiger Sauerteig 200 TA 150160170 180190200 ← fester TA = 100 + Wasser in % vom Mehl weicher →
Abb. 4.2 Skala der Teigausbeute von TA 150 bis 200: feste Brezelteige, Weizenbrot, Roggenbrot, Ciabatta und flüssiger Sauerteig.
TA Hydration Teigcharakter Beispiele
150–155 50–55 % sehr fest, kaum klebend Brezeln, Laugengebäck, Bagels
156–162 56–62 % fest, gut formbar Brötchen, Toast, Zopf (mit Milch)
163–170 63–70 % mittelfest, geschmeidig klassisches Weizenbrot, Bauernbrot
171–178 71–78 % weich, leicht klebend Weizenmischbrot, Landbrot mit Sauerteig, Roggenmischbrot
179–185 79–85 % sehr weich Ciabatta, Roggenbrot, Weizenvollkorn
186–200 86–100 % breiig bis flüssig Roggenvollkorn, Schrotbrot, Poolish, Sauerteig TA 200

Wasser aus anderen Zutaten#

Nicht nur das Schüttwasser zählt. Milch, Ei und Butter enthalten Wasser, das der Teig genauso aufnimmt. Für die Berechnung gelten folgende Wasseranteile:

Zutat als Wasser anrechnen
Milch (auch Buttermilch, verdünnter Joghurt) ca. 87 %
Ei (ohne Schale) ca. 75 %
Butter ca. 16 %
Wasser, Bier, Saft 100 % (Saft und Bier näherungsweise)

Rechenbeispiel

Ein Butterzopf enthält 500 g Weizenmehl, 200 g Milch, 1 Ei (55 g ohne Schale) und 60 g Butter.

  • Wasser aus Milch: 200 g × 0,87 = 174,0 g
  • Wasser aus Ei: 55 g × 0,75 = 41,3 g
  • Wasser aus Butter: 60 g × 0,16 = 9,6 g
  • Summe: 174,0 + 41,3 + 9,6 = 224,9 g

Hydration: 224,9 ÷ 500 × 100 = 45,0 % → TA 145. Das passt zu einem festen, gut flechtbaren Zopfteig; Fett und Ei machen ihn trotzdem geschmeidig.

Wasser in Vorstufen mitrechnen#

Viele Rezepte verteilen Mehl und Wasser auf Sauerteig, Vorteig, Brüh- oder Quellstück und Hauptteig. Für die Bäckerprozente und die TA gilt dann: Alles Mehl (inklusive Mehl im Anstellgut, Schrot und Mehl in Vorstufen) bildet das Gesamtmehl, alles Wasser (inklusive Wasser aus Vorstufen) das Gesamtwasser. Nur so lassen sich Rezepte vergleichen.

Gesamtmehl   = Mehl Hauptteig + Mehl aller Vorstufen (inkl. Anstellgut) + Schrot
Gesamtwasser = Wasser Hauptteig + Wasser aller Vorstufen
Hydration %  = Gesamtwasser ÷ Gesamtmehl × 100

Anstellgut mit TA 200 besteht zur Hälfte aus Mehl und zur Hälfte aus Wasser; 20 g Anstellgut steuern also 10 g Mehl und 10 g Wasser bei.

Saaten, Flocken aus Quellstücken und Altbrot zählen meist nicht zum Mehl; ihr Quellwasser wird separat betrachtet, weil es vom Korn festgehalten wird und den Teig kaum weicher macht. Schrot und Flocken, die wie Mehl im Teig wirken, rechnest du dagegen zum Mehl. Wichtig ist vor allem, dass du es in deinen eigenen Rezepten immer gleich handhabst.

Rechenbeispiel

Ein Roggenmischbrot besteht aus:

  • Sauerteig: 200 g Roggenmehl 1150, 200 g Wasser, 20 g Anstellgut (TA 200)
  • Brühstück: 100 g Roggenschrot, 150 g Wasser
  • Hauptteig: 300 g Roggenmehl 1150, 300 g Weizenmehl 1050, 320 g Wasser, Salz

Gesamtmehl: 200 + 10 (Anstellgut) + 100 + 300 + 300 = 910 g Gesamtwasser: 200 + 10 (Anstellgut) + 150 + 320 = 680 g Hydration: 680 ÷ 910 × 100 = 74,7 % → TA 174,7 Roggenanteil: (200 + 10 + 100 + 300) ÷ 910 = 67 % → ein Roggenmischbrot.

Rechner: Wasser & Hydration für deine Mehlmischung

Richtwerte für freigeschobene Brote; Wasser von Brüh- und Quellstücken extra rechnen. Anfänger beginnen am unteren Ende.

Hydrationsempfehlungen nach Mehlsorte#

Wie viel Wasser ein Mehl aufnehmen kann, hängt von Proteingehalt, Ausmahlgrad, Kornart und Erntejahr ab (mehr dazu in Getreide & Mehl). Die folgende Tabelle gibt Richtwerte für freigeschobene Brote; für Kastenbrote kannst du 3–5 Prozentpunkte mehr nehmen, weil die Form den Teig stützt.

Mehl Hydration % entspricht TA
Weizen 405 55–62 155–162
Weizen 550 60–70 160–170
Weizen 812 / Ruchmehl 65–74 165–174
Weizen 1050 66–75 166–175
Weizenvollkorn 72–85 172–185
Dinkel 630 58–65 158–165
Dinkel 812 62–68 162–168
Dinkel 1050 64–72 164–172
Dinkelvollkorn 70–80 170–180
Roggen 997 70–78 170–178
Roggen 1150 72–82 172–182
Roggen 1370 75–85 175–185
Roggen 1740 / Vollkorn 80–90 180–190
Roggenschrot 85–100 185–200
Emmer / Einkorn (Vollkorn) 60–72 160–172
Hartweizen (Semola rimacinata) 60–70 160–170
Khorasan/Kamut 62–72 162–172

Zu- und Abschläge:

Situation Anpassung
Kastenbrot statt freigeschoben +3 bis +5 Punkte
lange Autolyse oder Fermentolyse +2 bis +3 Punkte
frisch gemahlenes Mehl −2 bis −5 Punkte
Anfänger, unbekanntes Mehl am unteren Ende beginnen
Quellwasser für Saaten separat: ca. 100 % der Saatenmenge
Leinsaat im Quellstück separat: 150–200 %
Schrot im Brühstück separat: 100–200 %

Achtung

Die Tabelle ist ein Startpunkt, kein Gesetz. Zwei Mehle derselben Type können sich in der Wasseraufnahme um fünf und mehr Punkte unterscheiden. Halte bei einem neuen Mehl 5–10 % des Wassers zurück und gib es erst nach einigen Minuten Kneten nach Gefühl dazu (Bassinage).

Mehlmischungen#

Viele Brote enthalten mehrere Mehle. Für die Wassermenge einer Mischung genügt meist ein gewichteter Mittelwert der Einzelempfehlungen:

Hydration Mischung = Σ (Anteil Mehl i × Hydration Mehl i)

Rechenbeispiel

Ein Weizenmischbrot aus 700 g Weizenmehl 550 und 300 g Roggenmehl 1150. Als Mittelwerte der Tabelle nimmst du 65 % für Weizen 550 und 77 % für Roggen 1150.

0,7 × 65 + 0,3 × 77 = 45,5 + 23,1 = 68,6 %

Bei 1000 g Gesamtmehl also rund 686 g Wasser. Mit Sauerteig und Brühstück ist eher mehr nötig, weil der Roggen in Vorstufen zusätzlich Wasser bindet.

Mit demselben Prinzip kannst du eine fehlende Mehltype ungefähr nachstellen. Die Typenzahl gibt den Mineralstoffgehalt in Milligramm je 100 g Mehltrockenmasse an und lässt sich linear mischen. Für Weizenvollkornmehl kannst du grob mit einer „Typenzahl“ um 1700 rechnen (der echte Wert schwankt je nach Korn).

Rechenbeispiel

Du brauchst Weizenmehl 1050, hast aber nur 550 und Vollkorn. Gesucht ist der Anteil x an Type 550:

x × 550 + (1 − x) × 1700 = 1050 → 1150 x = 650 → x = 0,565

Etwa 57 % Type 550 und 43 % Weizenvollkornmehl ergeben rechnerisch eine Type 1050. Backtechnisch ist die Mischung nicht identisch – die Kleiepartikel im Vollkornmehl sind gröber und binden mehr Wasser –, aber für die meisten Rezepte ein brauchbarer Ersatz.

Gewünschte Type Mischung (ungefähr)
Weizen 812 77 % Type 550 + 23 % Weizenvollkorn
Weizen 1050 57 % Type 550 + 43 % Weizenvollkorn
Roggen 1150 60 % Roggen 997 + 40 % Roggen 1370
Dinkel 1050 60 % Dinkel 630 + 40 % Dinkelvollkorn

Rezepte skalieren#

Ein Rezept zu vergrößern oder zu verkleinern ist mit Bäckerprozenten trivial: Du bestimmst die neue Mehlmenge und rechnest alle anderen Zutaten mit den gleichen Prozenten. Drei Ausgangspunkte sind üblich.

Nach Teiggewicht#

Du kennst das gewünschte Teiggewicht und rechnest mit der Formel aus Bäckerprozente zurück: Mehl = Teiggewicht ÷ (Prozentsumme ÷ 100). Plane 1–3 % Zuschlag für Teigreste an Schüssel, Händen und Haken ein – bei kleinen Mengen eher mehr.

Nach Stückzahl#

Bei Brötchen und Kleingebäck multiplizierst du das Teigstückgewicht mit der Stückzahl und gehst dann wie oben vor.

Rechenbeispiel

Gewünscht sind 12 Brötchen à 80 g Teig, Rezept: 100 % Mehl, 60 % Wasser, 2 % Salz, 2 % Hefe, 3 % Butter.

  • Teig: 12 × 80 g = 960 g, plus 3 % Zuschlag = 988,8 g ≈ 989 g
  • Prozentsumme: 100 + 60 + 2 + 2 + 3 = 167 % → 1,67
  • Mehl: 989 ÷ 1,67 = 592,2 g
  • Wasser: 0,60 × 592,2 = 355,3 g · Salz und Hefe: je 0,02 × 592,2 = 11,8 g · Butter: 0,03 × 592,2 = 17,8 g

Probe: 592,2 + 355,3 + 11,8 + 11,8 + 17,8 = 988,9 g.

Nach Formgröße#

Für Kastenformen bestimmst du das Innenvolumen (Länge × Breite × Höhe in cm, bei schrägen Wänden die mittlere Länge und Breite) und multiplizierst mit einer Teigdichte-Faustzahl:

Teiggewicht g ≈ Formvolumen cm³ × 0,45 … 0,55 g/cm³

Lockere, stark aufgehende Weizen- und Toastteige liegen am unteren Ende (0,40–0,45 g/cm³ bei Toast mit Deckel), dichte Roggen- und Vollkornteige mit wenig Ofentrieb am oberen Ende (0,55–0,60 g/cm³). Als grobe Sichtkontrolle: Roggenteige füllen die Form vor der Gare zu etwa drei Vierteln, Weizenteige zu etwa der Hälfte.

Rechenbeispiel

Eine Kastenform misst innen 30 × 11 × 10 cm.

Volumen: 30 × 11 × 10 = 3300 cm³ Teig: 3300 × 0,45 = 1485 g bis 3300 × 0,55 = 1815 g

Für ein Weizenmischbrot nimmst du etwa 1500–1600 g, für ein Roggenvollkornbrot 1750–1800 g.

Form (innen, ca.) Volumen Teiggewicht 0,45–0,55 g/cm³
20 × 10 × 8 cm 1600 cm³ 720–880 g
25 × 11 × 8 cm 2200 cm³ 990–1210 g
30 × 11 × 10 cm 3300 cm³ 1485–1815 g
35 × 11 × 10 cm 3850 cm³ 1730–2120 g
Rundform Ø 24 cm, 6 cm hoch ca. 2710 cm³ 1220–1490 g

Für runde Formen gilt Volumen = π × r² × h; bei Ø 24 cm und 6 cm Höhe also 3,1416 × 12² × 6 ≈ 2714 cm³.

Salzmenge#

Salz festigt den Kleber, bremst die Gärung, rundet den Geschmack ab und fördert die Krustenbräunung (Details in Salz). Zu wenig Salz macht Brot fade, zu viel hemmt die Hefe und schmeckt aufdringlich. Die Dosierung erfolgt auf die Getreideerzeugnisse – also nicht nur auf das Mehl.

Die Salzformel#

Salz g = Salz % × (Mehl + Schrot + Flocken + ½ × Saaten) ÷ 100 − Salz in salzigen Zutaten

Begründung der einzelnen Glieder:

  • Mehl, Schrot und Flocken wirken im Teig wie Getreidemasse und werden voll mitgesalzen. Ein Brot mit 30 % Haferflocken schmeckt sonst deutlich flacher.
  • Saaten (Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Leinsaat, Sesam) brauchen ebenfalls etwas Salz, schmecken aber von sich aus kräftiger und bringen viel Fett mit. Die Hälfte ihres Gewichts mitzusalzen hat sich bewährt.
  • Salzige Zutaten wie Käse, Oliven oder Speck bringen eigenes Salz mit, das abgezogen wird, damit das Brot nicht versalzen ist.

Richtwerte#

Gebäck Salz % (auf Getreideerzeugnisse) Standard
Weizen- und Mischbrote 1,8–2,2 2,0
Roggenbrote 1,8–2,0 1,9
Vollkornbrote 1,8–2,0 1,9
Brötchen 1,8–2,0 1,9
Laugengebäck 1,8–2,0 1,8 (plus Streusalz)
Pizza / Focaccia 2,2–2,8 2,5
süße Hefeteige 0,8–1,5 1,0
Knäckebrot 1,5–2,0 1,8
Salzige Zutat Salzgehalt ca.
Hartkäse (Bergkäse, Parmesan, Gouda alt) 1,5–2 %
Feta, Schafskäse 2,5–3 %
Oliven (eingelegt) 3–4 %
Speck, Schinken 3–5 %

Rechenbeispiel

Ein Käse-Saaten-Brot mit 600 g Weizenmehl 1050, 120 g Saatenmischung und 150 g Bergkäse, Salzziel 2,0 %.

  • Bezugsmenge: 600 + ½ × 120 = 660 g
  • Salz brutto: 2,0 × 660 ÷ 100 = 13,2 g
  • Salz im Käse: 150 g × 1,8 % = 2,7 g
  • Salz netto: 13,2 − 2,7 = 10,5 g

Ohne Käseabzug wäre das Brot mit effektiv rund 2,4 % deutlich salziger als beabsichtigt.

Rechner: Salzmenge

Salz = % × (Mehl + Schrot + Flocken + ½ Saaten) − Salz aus salzigen Zutaten.

Praxistipp

Wiege Salz immer – nie mit Löffeln abmessen. Ein gestrichener Teelöffel feines Salz wiegt je nach Körnung 5–7 g, grobes Meersalz deutlich weniger. Bei kleinen Teigmengen lohnt eine Feinwaage mit 0,1 g Auflösung.

Wassertemperatur#

Die Teigtemperatur nach dem Kneten steuert, wie schnell Hefe und Sauerteig arbeiten. Ein Weizenteig, der mit 22 °C statt 26 °C aus der Schüssel kommt, braucht für die Stockgare rund ein Drittel länger. Weil du an Mehl- und Raumtemperatur kaum etwas ändern kannst, ist das Schüttwasser die Stellschraube. Zieltemperaturen je Teigart findest du in Kneten & Teigtemperatur und im Teig-Assistenten weiter unten.

Wassertemperatur berechnen: Mehl 20 °C plus Wasser plus Knetwärme ergibt Teig 26 °C Mehl 20 °C Wasser ? °C Knetwärme 4 °C Teig 26 °C Wasser = 2 × 26 − 20 − 4 = 28 °C Knetwärme: Hand 0–1 °C · Küchenmaschine 4–7 °C · Spiralkneter 6–9 °C
Abb. 4.3 Mehl, Wasser und Knetwärme ergeben zusammen die Teigtemperatur.

Herleitung: die Mischungsregel#

Mischt man zwei Stoffe, stellt sich eine Temperatur ein, die vom Wärmespeichervermögen beider abhängt – also von Masse × spezifischer Wärmekapazität. Wasser speichert 4,2 kJ pro kg und Grad, Mehl nur etwa 1,7 kJ, also rund 0,4-mal so viel. Reife Vorstufen (Sauerteig, Poolish, Vorteig) bestehen etwa zur Hälfte aus Wasser und liegen bei etwa 0,7. Die Teigtemperatur ist der gewichtete Mittelwert, plus die Knetwärme, um die sich der Teig beim Kneten tatsächlich erwärmt:

T_Teig = (m_W · T_W + 0,4 · m_M · T_M + 0,7 · m_V · T_V) ÷ (m_W + 0,4 · m_M + 0,7 · m_V) + Knetwärme

… nach dem Wasser umgestellt:

T_Wasser = [ (T_Ziel − Knetwärme) · (m_W + 0,4 · m_M + 0,7 · m_V) − 0,4 · m_M · T_M − 0,7 · m_V · T_V ] ÷ m_W

m = Massen in g (W = Schüttwasser, M = Mehl im Hauptteig, V = Vorstufen), T = Temperaturen in °C. Genau so rechnen der Rechner unten, der Teig-Assistent und der Backplaner der App.

Die Knetwärme ist hier die echte Erwärmung des Teigs. Sie hängt von Gerät, Gang und Dauer ab:

Knetmethode Erwärmung je Minute typisch insgesamt
Hand, Dehnen und Falten – 0–1 °C
Küchenmaschine mit Knethaken ≈ 0,3 °C (langsam) / 0,7 °C (schnell) 3–6 °C
Spiralkneter ≈ 0,4 °C (langsam) / 1,0 °C (schnell) 4–8 °C

Und die Faustregel „2 × Teigtemperatur − Mehltemperatur“?

Die klassische Bäckerregel behandelt Mehl und Wasser als gleich schwere Wärmeträger. Das stimmt nur ungefähr: Bei üblicher Hydration (60–75 %) trägt das Wasser rund 60 % der Wärme. Die Regel lässt das Wasser deshalb zu stark von der Mehltemperatur abweichen und gleicht das mit einem eigenen „Knetwärme-Rechenwert“ aus, der etwa doppelt so groß ist wie die echte Erwärmung. Beides zusammen kann passen – vermischt man aber echte Knetwärme mit der Faustregel, wird der Teig im Sommer 2–4 °C zu warm. Die Mischungsregel oben ist genauer und funktioniert auch bei sehr weichen oder festen Teigen.

Rechenbeispiel

Direkter Weizenteig: 1000 g Mehl (20 °C), 650 g Wasser, Ziel 26 °C, Küchenmaschine 5 min langsam + 5 min schnell → Knetwärme ≈ 0,3 × 5 + 0,7 × 5 = 5 °C.

T_Wasser = [(26 − 5) × (650 + 400) − 400 × 20] ÷ 650 = (22 050 − 8 000) ÷ 650 = 21,6 °C

Roggenmischteig mit Sauerteig: Hauptteig 600 g Mehl (19 °C), 350 g Wasser, 800 g reifer Sauerteig (24 °C), Ziel 28 °C, Küchenmaschine 6 min langsam + 1 min schnell → Knetwärme ≈ 2,5 °C.

T_Wasser = [(28 − 2,5) × (350 + 240 + 560) − 240 × 19 − 560 × 24] ÷ 350 = (29 325 − 4 560 − 13 440) ÷ 350 = 32,4 °C

Sommer: 1000 g Mehl mit 26 °C, 650 g Wasser, Ziel 24 °C, Küchenmaschine 5 + 5 min.

T_Wasser = [(24 − 5) × 1050 − 400 × 26] ÷ 650 = (19 950 − 10 400) ÷ 650 = 14,7 °C

Rechner: Schüttwassertemperatur

Mischungsregel mit Wärmekapazität (Wasser 1, Mehl ≈ 0,4, Vorstufen ≈ 0,7): TWasser = [(TZiel − Knetwärme) · Σ(m·c) − 0,4·mMehl·TMehl − 0,7·mVorstufe·TVorstufe] ÷ mWasser. Knetwärme: Küchenmaschine ≈ 0,3 °C/min langsam und 0,7 °C/min schnell, Spiralkneter ≈ 0,4 / 1,0 °C/min.

Eiswasser und Eis#

Ist das Leitungswasser zu warm, ersetzt du einen Teil davon durch Eis. Schmelzendes Eis nimmt so viel Wärme auf, als würde man Wasser um 80 °C abkühlen (Schmelzwärme 334 J/g ÷ 4,18 J/(g·K)). Daraus folgt:

Eis (g) = Wassermenge × (T_Leitung − T_Wasser) ÷ (T_Leitung + 80)

Rechenbeispiel

Für das Sommerbeispiel brauchst du 650 g Wasser mit 14,7 °C, aus dem Hahn kommen 20 °C: Eis = 650 × 5,3 ÷ 100 = 34 g Eis + 616 g Leitungswasser. Das Eis zählt voll als Wasser.

Achtung

Ergibt die Rechnung über 45 °C, steigere die Teigtemperatur lieber über eine warme Gare als über heißes Wasser – Hefe nimmt sehr heißes Schüttwasser übel, wenn sie direkt damit in Kontakt kommt. Miss nach dem Kneten nach: Deine Maschine hat ihre eigene Knetwärme, und nach zwei, drei Teigen kennst du sie genau. Trag den gemessenen Wert im Backprotokoll ein.

Hefemenge, Zeit und Temperatur#

Hefe ist flexibel: Mit viel Hefe ist ein Teig in einer Stunde gar, mit sehr wenig braucht er eine Nacht. Lange Gärzeiten mit wenig Hefe bringen mehr Aroma und bessere Frischhaltung; kurze Zeiten sind praktisch, wenn es schnell gehen muss. Um ein Rezept an deinen Zeitplan anzupassen, brauchst du zwei Zusammenhänge: Hefemenge gegen Zeit und Temperatur gegen Zeit.

Hefemenge gegen Zeit#

Die Gärzeit sinkt nicht proportional zur Hefemenge – doppelte Hefe heißt nicht halbe Zeit. Der Grund: Hefe vermehrt sich während einer langen Gare selbst, und ein Teig braucht eine gewisse Gasmenge, egal wie schnell sie entsteht. Erfahrungswerte aus Bäckerei und Versuchsbäckereien lassen sich gut mit einem Potenzgesetz beschreiben: Die Gärzeit ist proportional zur Hefemenge hoch −0,7. Umgestellt nach der Hefe:

Hefe_neu = Hefe_alt × (t_alt ÷ t_neu)^(1/0,7) ≈ Hefe_alt × (t_alt ÷ t_neu)^1,43     (gleiche Temperatur)

Der Exponent 1,43 bedeutet: Willst du die Gärzeit halbieren, brauchst du etwa die 2,7-fache Hefemenge (2^1,43 ≈ 2,69); willst du sie verdoppeln, genügt gut ein Drittel (0,5^1,43 ≈ 0,37).

Rechenbeispiel

Ein Rezept nennt 2 % Frischhefe für 2 h Stockgare bei 24 °C. Du möchtest den Teig stattdessen 8 h bei derselben Temperatur gehen lassen.

Hefe_neu = 2 % × (2 ÷ 8)^1,43 = 2 % × 0,25^1,43 = 2 % × 0,138 = 0,28 %

Bei 500 g Mehl sind das statt 10 g nur noch 1,4 g Frischhefe. Für 12 h ergäben sich 2 % × (2 ÷ 12)^1,43 = 2 % × 0,077 = 0,15 %, also 0,75 g auf 500 g Mehl.

Gärzeit bei gleicher Temperatur Frischhefe (Basis 2 % für 2 h) auf 500 g Mehl
1,5 h 3,0 % 15 g
2 h 2,0 % 10 g
3 h 1,1 % 5,6 g
4 h 0,74 % 3,7 g
6 h 0,42 % 2,1 g
8 h 0,28 % 1,4 g
10 h 0,20 % 1,0 g
12 h 0,15 % 0,8 g
16 h 0,10 % 0,5 g

Sehr kurze Zeiten mit mehr als etwa 4–5 % Hefe sind nicht sinnvoll: Der Teig schmeckt hefig, und die Gärzeit lässt sich ab einem gewissen Punkt kaum weiter verkürzen. Für Mengen unter 1 g hilft ein Trick: 10 g Hefe in 100 g Wasser auflösen und davon die passende Menge abwiegen (10 g Lösung = 1 g Hefe), den Rest des Wassers entsprechend reduzieren.

Temperatur gegen Zeit#

Für die Gare zählt bei Backhefe nicht das Wachstum, sondern die Gasbildung. Sie steigt mit der Temperatur, erreicht bei etwa 35–38 °C ihr Maximum und bricht darüber ein; ab 45 °C ist Schluss, ab 55–60 °C stirbt die Hefe. Im Teig-Alltag (16–30 °C) gilt die bewährte Bäckerregel „etwa 8–10 % schneller je Grad“ – oder anders: 8 °C kühler ≈ doppelte Zeit. Unter 10 °C bremst die Hefe noch stärker ab. Die App bildet das mit einem Kardinaltemperaturmodell ab (T_min −2 °C, T_opt 36 °C, T_max 45 °C), das genau diese Praxiswerte trifft:

Teigtemperatur Zeitfaktor (24 °C = 1) 2 h bei 24 °C werden zu …
4 °C 16 ca. 32 h
6 °C 9,2 ca. 18 h
8 °C 6,0 ca. 12 h
10 °C 4,2 ca. 8,3 h
12 °C 3,1 ca. 6,2 h
14 °C 2,4 ca. 4,8 h
16 °C 1,9 ca. 3,9 h
18 °C 1,6 ca. 3,2 h
20 °C 1,33 ca. 2,7 h
22 °C 1,15 ca. 2,3 h
24 °C 1,00 2 h
26 °C 0,89 ca. 1,8 h
28 °C 0,80 ca. 1,6 h
30 °C 0,73 ca. 1,5 h
32 °C 0,68 ca. 1,4 h

Oberhalb von 28 °C gewinnst du kaum noch Zeit, riskierst aber einen hefig-säuerlichen Geschmack und eine instabile Krume. Für Sauerteig gelten eigene Kurven (Milchsäurebakterien und Sauerteighefen, siehe Sauerteig): Sie reagieren zwischen 20 und 26 °C noch etwas stärker auf die Temperatur als Backhefe.

Kühlschrank: Der Teig kühlt langsam ab

Ein Teig, der mit 24 °C in den Kühlschrank kommt, hat nicht sofort 5 °C. Er nähert sich der Kühlschranktemperatur langsam an – nach etwa 1,5 h (1 kg Teig; 500 g: 1,2 h, 2 kg: 1,9 h) hat er zwei Drittel des Weges geschafft. In dieser Zeit gärt er noch zügig. Rechnet man das durch, entsprechen 12 h Kühlschrank (5 °C) ab 24 °C etwa 2 h Gare bei 24 °C – fast dreimal so viel, wie die Tabelle allein vermuten ließe. Genau deshalb funktionieren Übernachtgaren mit „normalen“ Hefemengen. Der Backplaner und der Rechner „Temperatur ↔ Zeit“ der App berücksichtigen dieses Abkühlen (und ebenso das Abkühlen eines mit warmem Wasser angesetzten Sauerteigs).

Beides kombiniert#

Willst du Zeit und Temperatur ändern, rechnest du die neue Zeit zuerst auf die Ausgangstemperatur um und wendest dann die Hefeformel an.

Rechenbeispiel

Rezept: 2 % Frischhefe, 2 h bei 24 °C. Du möchtest 10 h bei 20 °C (Teig über Nacht in einem kühlen Raum).

  • Zeitfaktor 24 → 20 °C: 1,33. Die gewünschten 10 h bei 20 °C entsprechen 10 ÷ 1,33 = 7,5 h bei 24 °C.
  • Hefe: 2 % × (2 ÷ 7,5)^1,43 = 2 % × 0,151 = 0,30 %.

Auf 1000 g Mehl also rund 3 g Frischhefe.

Rechner: Hefemenge für andere Zeit oder Temperatur

Gärzeit ∝ Hefemenge−0,7; Temperatur nach dem Modell für Backhefe (Gasbildung, Optimum 36 °C, ≈ 8–10 % je °C zwischen 16 und 30 °C) – dasselbe Modell wie im Backplaner.

Hefearten umrechnen#

von → nach Faktor Beispiel
Frischhefe → Trockenhefe ÷ 3 21 g Frischhefe = 7 g Trockenhefe
Trockenhefe → Frischhefe × 3 1 Päckchen (7 g) = 21 g Frischhefe
1 Würfel Frischhefe (42 g) – entspricht 14 g Trockenhefe

Mehr zu den Hefearten, ihrer Lagerung und der Dosierung in süßen Teigen steht in Hefe.

Sauerteig-Anteil und Anstellgut#

Versäuerter Mehlanteil#

Beim Sauerteigbrot interessiert, wie viel des Gesamtmehls im Sauerteig vergoren wurde. Dieser versäuerte Mehlanteil bestimmt Säure, Geschmack und – bei Roggen – die Backfähigkeit, denn Roggenteige brauchen Säure, damit die Pentosane und die Stärke eine schnittfeste Krume bilden.

versäuerter Mehlanteil % = Mehl im Sauerteig (inkl. Anstellgut-Mehl) ÷ Gesamtmehl × 100

Manche Quellen beziehen den Wert bei Mischbroten nur auf den Roggenanteil; prüfe also, wie ein Rezept rechnet.

Brotart versäuerter Mehlanteil
Roggenbrot, Roggenvollkornbrot 35–50 %
Roggenmischbrot, Weizenmischbrot 20–40 %
Weizenbrot mit Sauerteig 10–20 %

Rechenbeispiel

Im Roggenmischbrot aus dem Abschnitt Vorstufen mitrechnen stecken 200 g Mehl im Sauerteig plus 10 g aus dem Anstellgut.

(200 + 10) ÷ 910 × 100 = 23,1 %

Das liegt im unteren Bereich für ein Mischbrot – das Brot wird eher mild. Für eine kräftigere Säure könntest du 100 g Roggenmehl und 100 g Wasser vom Hauptteig in den Sauerteig verlagern: (310 ÷ 910) × 100 = 34,1 %.

Anstellgut-Menge#

Wie viel Anstellgut du für einen Sauerteig brauchst, hängt von Reifezeit und Temperatur ab. Weil sich Milchsäurebakterien exponentiell vermehren, gilt eine einfache, in Roggenteig gemessene Regel (Gänzle & Brandt): Halbierst du das Anstellgut, dauert die Reife genau eine Generationszeit länger – bei 28 °C knapp eine Stunde, bei 20 °C gut zwei Stunden. Die Temperatur wirkt also viel stärker als die Menge.

Reifezeit = (1,66 + ln D) ÷ µ(T)        D = (Anstellgut + Mehl + Wasser) ÷ Anstellgut

µ(T) ist die Wachstumsrate der Milchsäurebakterien bei der Temperatur T (Messkurve nach Gänzle, siehe Sauerteig); der Summand 1,66 steht für das Ausreifen nach dem Wachstum (Säure, Aroma). Kalibriert ist das so, dass 1 : 5 : 5 bei 20 °C in etwa 12 h und 1 : 1 : 1 bei 26 °C in etwa 4 h reif ist – dein eigenes Anstellgut kann schneller oder langsamer sein; in der Sauerteigverwaltung lernt die App es kennen.

Anstellgut (% vom Sauerteigmehl, TA 200) 16 °C 20 °C 24 °C 28 °C
50 % 16 h 9,5 h 6 h 4 h
30 % 18 h 11 h 7 h 5 h
20 % (1 : 5 : 5) 20 h 12 h 7,5 h 5 h
10 % (1 : 10 : 10) 23 h 14 h 8,5 h 6 h
5 % (1 : 20 : 20) 27 h 16 h 10 h 7 h
2 % 31 h 18 h 11,5 h 8 h

Die klassische Regel „5–10 % Anstellgut für 12–16 h bei 20 °C“ steckt genau in dieser Tabelle. Festere Sauerteige (TA 160) brauchen etwa 15 % länger, Salz im Sauerteig deutlich länger (2 % Salz aufs Mehl verdoppelt die Zeit – das nutzt der Monheimer Salzsauer), Vollkornmehl ist etwa 8 % schneller.

Rechenbeispiel

Ein Sauerteig aus 300 g Roggenmehl und 300 g Wasser (TA 200) soll über Nacht bei 20 °C in rund 14 h reifen. Laut Tabelle passen 10 % Anstellgut: 300 × 10 ÷ 100 = 30 g. Willst du ihn schon nach 12 h verwenden, nimm 20 % = 60 g – oder lass ihn bei 22 °C statt 20 °C stehen.

Rechner: Wie viel Anstellgut?

Reifezeit = (1,66 + ln D) ÷ µ(T), Temperaturkurve der Milchsäurebakterien nach Gänzle et al. (1998). Die Referenz ist die Reifezeit deines Anstellguts bei 1 : 1 : 1 und 26 °C – kalibrierte Sauerteige zeigen sie in der Sauerteigverwaltung.

Die Reifezeiten sind Näherungen, die von Mehl, Kraft deines Anstellguts und Temperaturschwankungen abhängen. Klassische Führungen mit Zeiten und Temperaturen findest du unter Führungen und im Kapitel Sauerteig.

Backzeit#

Wie lange ein Brot backt, hängt vor allem von seiner Dicke und der Ofentemperatur ab – nicht vom Gewicht allein. Die Wärme muss von der Oberfläche bis in die Mitte vordringen, bis die Kerntemperatur erreicht ist, bei der die Stärke vollständig verkleistert und die Krume stabil ist. Gleichzeitig braucht die Kruste eine Mindestzeit, um Farbe und Aroma zu bilden. Ein 300-g-Baguette ist deshalb viel schneller fertig als ein 300-g-Laib.

Die Backzeitformel#

t (min) = 13,5 · x^0,8  +  1,12 · k · h² · x^0,3          mit x = 120 ÷ (T − 100)
          └ Kruste ┘      └ Durchwärmen ┘
  • h ist die halbe Dicke des gebackenen Brotes in cm. Sie folgt aus Teiggewicht, Gebäckdichte und Form: Ein runder 1-kg-Weizenlaib ist etwa 12 cm hoch (h ≈ 6 cm), ein Brötchen 6 cm (h ≈ 3), eine Brezel an der dicksten Stelle 3 cm (h ≈ 1,5). Der Rechner ermittelt h für dich.
  • h²: Wärmeleitung braucht für die doppelte Dicke die vierfache Zeit (Fourier'sches Gesetz) – das ist der Kern der Formel.
  • x: Antrieb des Wärmestroms ist die Differenz zwischen Ofen und rund 100 °C im feuchten Inneren. Bei 220 °C ist x = 1. Die Bräunung der Kruste reagiert stark auf die Temperatur (Exponent 0,8), das Durchwärmen nur schwach (0,3), weil die Kruste isoliert und das Innere nicht über 100 °C steigen kann.
  • k: Roggen- und Vollkornbrote enthalten mehr Wasser, sind dichter und brauchen 98–99 °C im Kern sowie längeres Ausbacken: Weizen/Dinkel 1,0 · Weizenmischbrot 1,1 · Roggenmischbrot 1,25 · Roggen/Vollkorn 1,7.

Die Formel ist an bewährten Praxiswerten kalibriert (mittlere Abweichung ≈ 9 %) und gilt für 180–260 °C. T ist die durchschnittliche Ofentemperatur: Backst du fallend – etwa 15 min bei 250 °C, dann 45 min bei 200 °C –, setzt du den zeitgewichteten Mittelwert ein: (250 × 15 + 200 × 45) ÷ 60 = 212,5 °C.

Rechenbeispiel

1 kg Weizenbrot, rund, bei 220 °C: h ≈ 6,0 cm, x = 1 13,5 × 1 + 1,12 × 1,0 × 6,0² × 1 = 13,5 + 40,3 = 54 min

1 kg Roggenbrot, rund, bei 210 °C: dichter, daher flacher (h ≈ 5,1 cm), x = 120 ÷ 110 = 1,09 13,5 × 1,09^0,8 + 1,12 × 1,7 × 5,1² × 1,09^0,3 = 14,5 + 50,8 = 65 min

80-g-Brötchen bei 230 °C: h ≈ 2,9 cm, x = 0,92 13,5 × 0,94 + 1,12 × 8,4 × 0,98 = 12,7 + 9,2 = 22 min

Rechner: Backzeit nach Gewicht, Form und Temperatur

Formel: t = 13,5 · x0,8 + 1,12 · k · h² · x0,3 mit x = 120 ÷ (T − 100) und h = halbe Dicke des Brotes in cm (aus Gewicht und Form). Richtwert – entscheidend sind Kerntemperatur, Farbe und Klopfprobe.

Backzeittabelle#

Mit der Formel berechnet, freigeschoben, gerundet auf ganze Minuten:

Gebäck 200 °C 220 °C 240 °C
Brezel 90 g 18 min 16 min 14 min
Brötchen 80 g 26 min 23 min 21 min
Baguette 300 g (40 cm) 26 min 23 min 21 min
Weizenlaib 500 g 43 min 39 min 37 min
Weizenmisch-Batard 750 g 41 min 37 min 35 min
Weizenlaib 1 kg 59 min 54 min 51 min
Roggenmischbrot 1 kg 60 min 56 min 52 min
Roggenbrot 1 kg 68 min 63 min 59 min
Weizen-Kastenbrot 750 g 45 min 41 min 39 min
Roggen-Kastenbrot 1 kg 76 min 71 min 67 min
Roggenmischbrot 1,5 kg 74 min 69 min 65 min
Roggenmischbrot 2 kg 86 min 81 min 76 min

Kleingebäck backst du in der Praxis eher heißer (230–240 °C), große Roggenbrote fallend von 250 auf 200 °C.

Backkurve: Ofentemperatur fällt von 250 auf 200 °C, Kerntemperatur steigt S-förmig auf 98 °C, Phasen Ofentrieb, Krustenbildung und Ausbacken über 60 Minuten Ofentrieb Krustenbildung Ausbacken 50 100 150 200 250 0 0 10 20 30 40 50 60 Backzeit in Minuten °C Schwaden ablassen Ofentemperatur 250 °C 200 °C Kerntemperatur 98 °C Teig ca. 26 °C
Abb. 4.4 Backkurve: Die Ofentemperatur fällt von 250 auf 200 °C, die Kerntemperatur steigt S-förmig bis 98 °C.

Gar oder nicht?#

Die Formel liefert einen Planungswert, keine Garantie: Ofen, Backstein und Teigfeuchte verschieben das Ergebnis um einige Minuten. Entscheidend ist die Kerntemperatur, gemessen mit einem Einstichthermometer in der dicksten Stelle:

Brotart Kerntemperatur
Weizen, Dinkel 96–97 °C
Roggenmisch 97–98 °C
Roggen, Vollkorn 98–99 °C

Große Roggenbrote werden kräftig angebacken und dann bei fallender Hitze lange ausgebacken. Mehr zur Temperaturführung im Haushaltsofen findest du in Backen im Haushaltsofen.

Praxistipp

Notiere zu jedem Backtag Teiggewicht, Ofentemperaturen, tatsächliche Backzeit und Kerntemperatur. Nach wenigen Broten kennst du den persönlichen Korrekturfaktor deines Ofens – viele Haushaltsöfen weichen 10–20 °C von der Anzeige ab.

Backverlust#

Beim Backen verdampft Wasser aus Kruste und Krume. Der Backverlust ist der Gewichtsverlust vom Teigling bis zum ausgekühlten Brot in Prozent des Teiggewichts. Er hängt vom Verhältnis Oberfläche zu Volumen, der Backzeit und der Krustenstärke ab.

Gebäckgewicht = Teiggewicht × (1 − Verlust)
Teiggewicht für Zielgewicht = Zielgewicht ÷ (1 − Verlust)
Gebäck Backverlust
Brötchen, Kleingebäck 15–20 %
freigeschobene Brote 10–15 %
Kastenbrote 8–12 %

Kleine Gebäcke haben viel Oberfläche im Verhältnis zur Masse und verlieren deshalb anteilig mehr Wasser. Kastenbrote sind an drei Seiten von der Form geschützt.

Rechenbeispiel

Ein freigeschobenes Brot soll ausgekühlt 750 g wiegen, du rechnest mit 12 % Backverlust.

Teiggewicht = 750 ÷ (1 − 0,12) = 750 ÷ 0,88 = 852,3 g → rund 850 g Teig.

Ein Brötchen mit 80 g Teig und 18 % Verlust wiegt danach 80 × (1 − 0,18) = 65,6 g.

Hintergrund

Für Bäckereien ist der Backverlust bares Geld, denn verkauft wird nach Gebäckgewicht. Für dich zu Hause ist er vor allem eine Kontrolle: Ein Brot mit ungewöhnlich wenig Backverlust war womöglich nicht ausgebacken und neigt zu klitschiger Krume.

Formelübersicht#

Größe Formel
Bäckerprozent Zutat % = Zutat g ÷ Gesamtmehl g × 100
Mehl aus Teiggewicht Mehl = Teiggewicht ÷ (Summe aller Prozente ÷ 100)
Teigausbeute TA = (Mehl + Wasser) ÷ Mehl × 100 = 100 + Hydration %
Wasseranteil Milch 87 %, Ei 75 %, Butter 16 %
Salz Salz g = Salz % × (Mehl + Schrot + Flocken + ½ × Saaten) ÷ 100 − Salz in salzigen Zutaten
Mehlmischung Typ der Mischung = Σ (Anteil × Typenzahl)
Wassertemperatur T_W = [(T_Ziel − Knetwärme) · (m_W + 0,4 m_M + 0,7 m_V) − 0,4 m_M T_M − 0,7 m_V T_V] ÷ m_W
Eis statt Wasser Eis g = Wasser g × (T_Leitung − T_W) ÷ (T_Leitung + 80)
Hefe gegen Zeit Hefe_neu = Hefe_alt × (t_alt ÷ t_neu)^1,43
Trockenhefe Trockenhefe = Frischhefe ÷ 3
Temperatur ↔ Zeit (Hefe) 8 °C kühler ≈ doppelte Zeit (16–24 °C); Tabelle oben
Anstellgut Reifezeit = (1,66 + ln D) ÷ µ(T); halbes Anstellgut = eine Generationszeit länger
Backzeit t = 13,5 · x^0,8 + 1,12 · k · h² · x^0,3, x = 120 ÷ (T − 100)
Backverlust Teiggewicht = Zielgewicht ÷ (1 − Verlust)
Formteig Teig g ≈ Volumen cm³ × 0,45–0,55
Versäuerung Sauerteigmehl ÷ Gesamtmehl × 100