Laibhaftig
Kompendium · Kapitel 2

Getreide & Mehl

Getreidearten, Kornaufbau, Vermahlung, Typenzahlen im Ländervergleich und die Mehleigenschaften, die über Wassermenge, Knetzeit und Gelingen entscheiden.

Inhalt dieses Kapitels

Mehl ist der Rohstoff, der jedes Brot prägt – und zugleich der, über den Hobbybäcker oft am wenigsten wissen. Zwei Mehle mit derselben Type können sich in Wasseraufnahme, Kleberqualität und Enzymaktivität deutlich unterscheiden. Dieses Kapitel führt dich vom Getreidefeld über das Korn und die Mühle bis zu den Kennzahlen auf der Packung. Am Ende weißt du, welches Mehl sich wofür eignet, wie viel Wasser es verträgt und wie du es richtig lagerst.

Die Getreidearten#

Botanisch gehören alle klassischen Brotgetreide zu den Süßgräsern. Für den Bäcker entscheidend ist, ob ein Getreide einen belastbaren Kleber bildet (Weizen und seine Verwandten), ob es über Schleimstoffe und Säure funktioniert (Roggen) oder ob es nur als Beimischung taugt (Hafer, Gerste, Mais, Pseudogetreide).

Fünf Getreideähren im Vergleich: Weizen, Dinkel, Roggen mit langen Grannen, Emmer und Einkorn Weizen Dinkel Roggen Emmer Einkorn Dinkel, Emmer und Einkorn sind Spelzgetreide – die Körner sitzen fest im Spelz.
Abb. 2.1 Ähren im Vergleich: Weizen, Dinkel, Roggen mit langen Grannen, Emmer und Einkorn.

Weizen#

Weizen (Triticum aestivum, Weichweizen) ist das weltweit wichtigste Brotgetreide. Er ist hexaploid, trägt also drei Chromosomensätze (A, B und D), und gerade das D-Genom liefert die Eiweiße für einen besonders elastischen Kleber. Weizen ist das Getreide für lockere, großvolumige Brote, Brötchen, Baguettes, Ciabatta und feines Hefegebäck. Moderne Sorten werden in Qualitätsgruppen eingeteilt – von Elite- und Qualitätsweizen (E und A) mit hohem Eiweißgehalt bis zu Brot- und Futterweizen (B und C).

Dinkel#

Dinkel (Triticum spelta) ist eng mit dem Weizen verwandt und ebenfalls hexaploid. Als Spelzgetreide muss er nach dem Dreschen in einer Schälmühle entspelzt werden. Dinkel enthält oft etwas mehr Eiweiß als Weizen (12–15 %), doch sein Kleber ist weicher und weniger elastisch, weil das Verhältnis von Gliadin zu Glutenin zugunsten des dehnbaren Gliadins verschoben ist. Die Folgen für die Praxis:

  • kürzer und schonender kneten (Überknetungsgefahr),
  • etwas weniger Wasser als bei vergleichbarem Weizenmehl,
  • kürzere Gare oder Vorstufen wie Brüh- und Quellstücke, die die Krume saftig halten.

Grünkern ist unreif geernteter, gedarrter Dinkel mit würzig-rauchigem Geschmack; er eignet sich nur als Beimischung.

Roggen#

Roggen (Secale cereale) ist anspruchslos und winterhart und war über Jahrhunderte das Brotgetreide Nord- und Osteuropas. Sein Eiweiß bildet keinen tragfähigen Kleber; stattdessen binden die Pentosane große Wassermengen. Roggenmehle sind außerdem enzymreich, weshalb Roggenteige gesäuert werden müssen – meist mit Sauerteig. Roggen bringt ein kräftiges, würziges Aroma, eine saftige Krume und eine lange Frischhaltung.

Urgetreide: Emmer, Einkorn, Khorasan#

Getreide Botanik Eiweiß Kleber Geschmack und Farbe Einsatz
Einkorn (T. monococcum) diploid (AA), Spelzgetreide 12–18 % sehr weich, kaum elastisch, klebrig nussig, mild-süß, Krume gelblich (viel Carotinoide) Anteile 20–100 %, kurz kneten, Kastenform hilfreich
Emmer (T. dicoccum) tetraploid (AABB), Spelzgetreide 12–16 % weich, wenig elastisch kräftig, leicht herb, Krume dunkler Vollkornbrote, Mischungen mit Weizen oder Dinkel
Khorasan (T. turanicum, Markenname Kamut) tetraploid (AABB), Nacktgetreide 13–16 % mittel, dehnbar, wenig elastisch buttrig-nussig, goldgelb Brote und Pasta, oft 20–50 % Anteil

Allen drei fehlt das D-Genom des Weizens, darum ist ihr Kleber deutlich schwächer. Sie verzeihen Überkneten und zu lange Gare schlechter und brauchen meist weniger Wasser, als ihr hoher Eiweißgehalt vermuten ließe. Glutenfrei sind sie nicht.

Hartweizen#

Hartweizen (Triticum durum) ist tetraploid und hat ein glasiges, sehr hartes Korn. Er wird vor allem zu Grieß (Semola) und zu feinem, doppelt gemahlenem Hartweizenmehl (Semola rimacinata) verarbeitet. Sein Kleber ist kräftig, aber eher dehnbar als elastisch; die gelbe Farbe stammt von Carotinoiden. Hartweizenbrote wie das süditalienische Pane di Altamura haben eine gelbliche, saftige, feinporige Krume und eine knusprige Kruste.

Hafer, Gerste, Mais und Hirse#

Getreide Besonderheit Kleber Typischer Anteil im Brot
Hafer reich an Beta-Glucanen (wasserbindend), Fett 6–7 %, meist als Flocken oder Kochstück keiner 10–30 % (Flocken, Mehl, Brühstück)
Gerste Beta-Glucane, leicht süßlich; wichtiger Rohstoff für Backmalz keiner 5–20 %
Mais glutenfrei, gelb, süßlich; als Grieß (Polenta) oder feines Maismehl keiner 10–50 % (z. B. portugiesisches Broa)
Hirse glutenfrei, mild, leicht bitter, schnell ranzig keiner 5–20 %, gern als Brühstück

Pseudogetreide#

Buchweizen, Quinoa und Amaranth sind botanisch keine Gräser, werden aber ähnlich verwendet. Sie sind glutenfrei und bringen viel Aroma, Mineralstoffe und hochwertiges Eiweiß mit. Im Weizen- oder Roggenbrot genügen 10–20 %, um den Geschmack zu prägen; höhere Anteile machen die Krume dichter. Buchweizen schmeckt kräftig-erdig, Quinoa und Amaranth sollten vor der Verwendung gewaschen oder geröstet werden, um Bitterstoffe zu mildern.

Der Aufbau des Getreidekorns#

Wer den Aufbau des Korns kennt, versteht, warum helles Mehl und Vollkornmehl so unterschiedlich backen.

Längsschnitt durch ein Getreidekorn: Schale, Aleuronschicht, Mehlkörper, Keimling und Bärtchen mit ihren Anteilen Bärtchen Frucht- & Samenschale Aleuronschicht Schale + Aleuron zusammen 12–15 % Mehlkörper 80–85 % Keimling 2–3 % Längsschnitt, stark vergrößert – das echte Korn ist nur 5–8 mm lang
Abb. 2.2 Längsschnitt durch ein Getreidekorn mit Schale, Aleuronschicht, Mehlkörper und Keimling.
Kornteil Anteil am Korn Inhaltsstoffe Bedeutung für das Backen
Frucht- und Samenschale ca. 8–10 % Ballaststoffe (Cellulose, Hemicellulose), Mineralstoffe binden viel Wasser, schneiden Kleberstränge, dunkle Farbe, herber Geschmack
Aleuronschicht ca. 4–6 % Eiweiß, Fett, Vitamine, Mineralstoffe, Enzyme sehr nährstoffreich; wird bei hellen Mehlen fast ganz entfernt
Mehlkörper (Endosperm) ca. 80–85 % Stärke und Klebereiweiß Hauptbestandteil heller Mehle, liefert Gerüst und Gärsubstrat
Keimling ca. 2–3 % Fett, Eiweiß, Vitamin E, Enzyme macht Vollkornmehl nährstoffreich, aber weniger lagerfähig (Fett wird ranzig)

Schale und Aleuronschicht zusammen machen etwa 12–15 % des Korns aus. Im Inneren des Mehlkörpers ist das Mehl am hellsten und mineralstoffärmsten; nach außen hin steigen Eiweiß-, Mineralstoff- und Enzymgehalt an. Genau diesen Gradienten nutzt die Mühle, um verschiedene Mehltypen herzustellen.

Vermahlung#

Wie aus Korn Mehl wird#

In einer modernen Walzenmühle wird das gereinigte und auf etwa 15–16 % Feuchte genetzte (konditionierte) Getreide schrittweise zerkleinert:

  1. Reinigung: Steine, Fremdsaaten, Bruchkorn, Mutterkorn und Staub werden aussortiert.
  2. Netzen und Abstehen: Wasser macht die Schale zäh, damit sie in großen Stücken abgeht, und den Mehlkörper mürbe.
  3. Schroten: Geriffelte Walzenpaare brechen das Korn auf.
  4. Sichten: Plansichter trennen die Bruchstücke nach Größe in Schrot, Grieß, Dunst und Mehl.
  5. Ausmahlen: Glatte Walzen vermahlen Grieße und Dunste zu Mehl. Ein Korn durchläuft dabei bis zu 15–20 Passagen.
  6. Mischen: Die Passagenmehle werden zu den Handelstypen zusammengestellt.

Steinmühlen – in Hofmühlen und Haushaltsmühlen üblich – zerkleinern das Korn in einem Durchgang zwischen zwei Mahlsteinen. Sie eignen sich besonders für Vollkornmehl, bei dem alle Kornbestandteile im Mehl bleiben.

Ausmahlungsgrad#

Der Ausmahlungsgrad gibt an, wie viel Mehl aus 100 kg Getreide gewonnen wird. Je höher er ist, desto mehr Randschichten enthält das Mehl:

Mehl Ausmahlungsgrad (Richtwert) Charakter
Weizen 405 ca. 40–56 % sehr hell, fein, mild, wenig Aroma
Weizen 550 ca. 64–71 % hell, kleberstark, Allrounder
Weizen 1050 ca. 78–82 % cremefarben, kräftiger, mehr Enzyme
Roggen 1150 ca. 75–85 % grau, würzig
Vollkornmehl 100 % alle Kornbestandteile

Die Typenzahl#

Die Typenzahl steht in Deutschland auf jeder Mehlpackung. Sie ist in der Norm DIN 10355 festgelegt und gibt den Mineralstoffgehalt an: wie viele Milligramm Asche zurückbleiben, wenn 100 g Mehl-Trockensubstanz bei etwa 900 °C verbrannt werden. Weizenmehl Type 550 enthält also rund 550 mg Mineralstoffe je 100 g Trockenmasse (genauer: einen Bereich um diesen Wert).

Da die Mineralstoffe vor allem in den Randschichten sitzen, ist die Typenzahl ein indirektes Maß für den Ausmahlungsgrad: Je höher die Zahl, desto dunkler, schalenreicher, aromatischer und enzymreicher das Mehl. Über den Eiweiß- oder Klebergehalt sagt sie dagegen nur wenig aus.

Typenzahl-Skala von 405 bis Vollkorn: je höher die Zahl, desto mehr Mineralstoffe und Schalenanteile, desto dunkler das Mehl hell, fein, wenig Schale dunkel, kräftig, viel Schale 405 550 812/1050 1150 1370 1740 Vollkorn Typenzahl ≈ Mineralstoffe (Asche) in mg je 100 g Mehl-Trockenmasse Weizen: 405 · 550 · 812 · 1050 · 1600 Dinkel: 630 · 812 · 1050 Roggen: 815 · 997 · 1150 · 1370 · 1740
Abb. 2.3 Typenzahlen von 405 bis Vollkorn – je höher die Zahl, desto mehr Mineralstoffe und desto dunkler das Mehl.

Deutsche Mehltypen#

Getreide Type Mineralstoffe (% i. Tr., Richtbereich) Verwendung
Weizen 405 bis 0,50 Kuchen, Mürbeteig, Soßen; fürs Brot nur als Beimischung
Weizen 550 0,51–0,63 Brötchen, Baguette, Weißbrot, Pizza, Hefezopf
Weizen 812 0,64–0,90 helle Mischbrote, Landbrote, Brötchen mit mehr Aroma
Weizen 1050 0,91–1,20 Mischbrote, kräftige Weizenbrote
Weizen 1600 1,21–1,80 dunkle Weizenbrote, Mischbrote (selten im Handel)
Weizen Backschrot 1700 1,40–1,90 Schrotbrote
Roggen 815 bis 0,90 helle Roggenbrötchen, feine Roggenmischbrote
Roggen 997 0,91–1,10 helle Roggenmischbrote, Weizenmischbrote
Roggen 1150 1,11–1,30 klassisches Roggenmischbrot
Roggen 1370 1,31–1,60 kräftige Roggen- und Mischbrote
Roggen 1740 1,61–1,80 dunkle Roggenbrote
Roggen Backschrot 1800 1,60–2,20 Schrot- und Vollkornbrote
Dinkel 630 ca. 0,55–0,70 Brötchen, helle Brote, Feingebäck
Dinkel 812 ca. 0,70–0,90 helle Brote, Mischungen
Dinkel 1050 ca. 0,90–1,20 kräftige Dinkelbrote

Vollkornmehl und Vollkornschrot haben keine Typenzahl, weil sie definitionsgemäß das ganze Korn enthalten. Ihr Mineralstoffgehalt liegt bei Weizen etwa bei 1,5–2,0 %, bei Roggen bei 1,6–2,1 % – je nach Sorte, Boden und Jahrgang.

Internationaler Vergleich#

Andere Länder benennen ihre Mehle anders. Die Zuordnung ist nur näherungsweise möglich, weil die Grenzen der Klassen nicht deckungsgleich sind und teils unterschiedliche Bezugsgrößen verwendet werden. Die folgende Tabelle hilft beim Übertragen ausländischer Rezepte:

Deutschland Österreich Schweiz Frankreich Italien USA (ungefähre Entsprechung)
Weizen 405 W 480 (glatt / griffig) Weissmehl (Typ 400) T45 Tipo 00 Pastry Flour / Cake Flour (nach Eiweiß)
Weizen 550 W 700 (teils W 480) Weissmehl / Halbweissmehl T55 Tipo 0 (teils 00) All-Purpose Flour, Bread Flour
Weizen 812 W 700 – W 1600 (dazwischen) Halbweissmehl (Typ 720) T65 Tipo 1 High-Extraction Flour
Weizen 1050 W 1600 Ruchmehl (Typ 1100) T80 Tipo 2 – („First Clear“ am ehesten)
Weizen 1600 W 1600 Ruchmehl (dunkel) T110 Tipo 2 / Integrale –
Weizenvollkornmehl Weizenvollmehl Vollkornmehl T150 Farina integrale Whole Wheat Flour
Roggen 997 R 960 Roggenmehl hell T85 Segale Light / White Rye
Roggen 1150 / 1370 R 960 – R 2500 Roggenmehl (Ruch) T130 Segale scura Medium Rye
Roggen 1740 / Vollkorn R 2500 Roggenvollkornmehl T170 Segale integrale Dark Rye / Whole Rye, Pumpernickel Meal

Hintergrund: Was die US-Bezeichnungen meinen

In den USA werden Mehle nicht nach Mineralstoffgehalt, sondern vor allem nach Eiweißgehalt eingeteilt: Cake Flour etwa 7–9 %, Pastry Flour 8–10 %, All-Purpose Flour 10–12 %, Bread Flour 12–14 %, High-Gluten Flour 14–15 %. Ein amerikanisches Rezept mit „Bread Flour“ gelingt bei uns meist mit Weizenmehl 550 aus einem kräftigen Qualitätsweizen oder einer Mischung aus 550 und 812. Die italienische Einteilung (00, 0, 1, 2) folgt ebenfalls dem Mineralstoffgehalt; die Stärke des Mehls wird dort zusätzlich mit dem W-Wert angegeben (z. B. W 260–320 für Pizza mit langer Gare).

Schweizer Ruchmehl#

Ruchmehl ist ein dunkles Weizenmehl mit etwa 1,1 % Mineralstoffen und typischerweise etwas gröberer Mahlung. Es liegt zwischen den deutschen Typen 1050 und 1600 und hat einen kräftigen, leicht nussigen Geschmack. Als Ersatz eignet sich Weizenmehl 1050, eventuell mit 10–20 % Weizenvollkornmehl. Ruchmehl ist die Basis vieler Schweizer Landbrote und des Bürli.

Vollkorn, Schrot und Flocken#

Vollkornmehl#

Vollkornmehl enthält alle Bestandteile des gereinigten Korns – Mehlkörper, Aleuronschicht, Schale und Keimling – im natürlichen Verhältnis. Nach den Leitsätzen für Brot und Kleingebäck darf ein Brot erst ab 90 % Vollkornerzeugnissen „Vollkornbrot“ heißen. Vollkornmehl unterscheidet sich im Backverhalten deutlich von hellen Mehlen:

Eigenschaft Helles Mehl (z. B. Weizen 550) Vollkornmehl
Wasseraufnahme mittel hoch (10–20 Punkte mehr), Wasser wird langsam aufgenommen
Kleber ungestört, sehr dehnbar Schalenteile schneiden Kleberstränge, Volumen geringer
Enzymaktivität mäßig hoch, Teige gären schneller und werden schneller weich
Geschmack mild kräftig, nussig, leicht herb
Haltbarkeit des Mehls 6–12 Monate 1–3 Monate (Fett aus dem Keimling)
Frischhaltung des Brots 1–3 Tage 4–7 Tage

Praxistipp: Vollkorn weicher machen

Vollkornteige brauchen Zeit, um Wasser aufzunehmen. Mische Mehl und Wasser 30–60 Minuten vor dem Kneten (Autolyse) oder setze einen Teil des Mehls als Brüh-, Quell- oder Vorteig an. Gib einen Teil des Wassers erst gegen Ende des Knetens zu und prüfe die Konsistenz nach 20 Minuten Ruhe noch einmal – Vollkornteige werden fester, während sie quellen.

Schrot#

Schrot besteht aus grob zerkleinertem Korn. Vollkornschrot enthält alle Kornbestandteile; Backschrot (Weizen Type 1700, Roggen Type 1800) ist schalenreiches Schrot ohne den gesamten Keimling. Nach der Feinheit unterscheidet man:

Schrotart Partikelgröße (ungefähr) Vorbehandlung Typischer Einsatz
Grobschrot ca. 1,5–3 mm Brühstück (100–200 % Wasser), mehrere Stunden Pumpernickel, Schrotbrote, Kastenbrote
Mittelschrot ca. 0,8–1,5 mm Brühstück oder Quellstück Vollkornbrote, Mehrkornbrote
Feinschrot ca. 0,5–0,8 mm Quellstück oder direkt im Sauerteig saftige Roggen- und Mischbrote

Schrot quillt langsam und braucht viel Wasser. Ungequollen eingearbeitet, entzieht er dem Teig in Gare und Ofen Wasser, das Brot wird trocken und reißt. Deshalb kommt Schrot fast immer vorgequollen oder vorverbrüht in den Teig. Details im Kapitel Vorstufen.

Flocken, Grieß und Dunst#

  • Flocken entstehen, indem ganze oder geschnittene Körner gedämpft und gewalzt werden. Haferflocken sind der Klassiker; Dinkel-, Roggen- und Gerstenflocken gibt es ebenfalls. Durch das Dämpfen ist ein Teil der Stärke vorverkleistert, sie binden schnell Wasser und machen die Krume saftig. Einsatz: 5–20 %, gern als Quell- oder Brühstück (Wasser 100–150 % der Flocken).
  • Grieß (0,3–1,5 mm) und Dunst (0,1–0,3 mm) sind Zwischenprodukte der Vermahlung aus dem Mehlkörper. Weichweizengrieß nutzt man für Süßspeisen und zum Bestreuen; Hartweizengrieß und Semola rimacinata für Brot und Pasta. Doppelgriffiges Mehl (Wiener Grießler, Spätzlemehl) liegt zwischen Dunst und Mehl und rieselt besonders gut.

Mehleigenschaften#

Auf der Packung stehen meist nur Type und Nährwerte. Für das Backen sind aber weitere Kennzahlen entscheidend, die Mühlen im Labor bestimmen. Viele regionale Mühlen geben sie auf Nachfrage oder in Produktdatenblättern an.

Eiweiß und Kleber: Gliadin und Glutenin#

Klebereiweiß besteht aus zwei Fraktionen, die erst mit Wasser und Bewegung zum Netz werden:

Fraktion Struktur Wirkung im Teig Bild
Gliadin kleine, kompakte Moleküle Dehnbarkeit, Klebrigkeit, Fließen „Kugellager“ zwischen den Ketten
Glutenin sehr lange, über Schwefelbrücken vernetzte Ketten Elastizität, Formstabilität, Rückfederung „Gummibänder“

Das Verhältnis beider bestimmt den Charakter eines Mehls. Ein glutenin-betonter Kleber (typisch für Qualitätsweizen) ist elastisch und steht gut, braucht aber längeres Kneten und Teigruhe. Ein gliadin-betonter Kleber (typisch für Dinkel, Emmer, Einkorn) ist dehnbar und weich, verträgt aber weniger Knetintensität und lange Garzeiten.

Mehl Eiweiß (ca.) Kleberqualität Knet- und Teigverhalten
Weizen 405 9–11 % mittel, eher weich Kuchen, weiche Teige, kein Brotmehl
Weizen 550 10–13 % stark, elastisch Standard für Brötchen und Weizenbrote
Weizen 1050 11–13 % stark, durch Schalenanteile etwas gestört Mischbrote, kräftige Weizenbrote
Weizenvollkorn 11–14 % gut, aber durch Schale geschwächt längere Teigruhe, weniger Volumen
Dinkel 630 11–14 % dehnbar, wenig elastisch kurz kneten, Teig schnell klebrig
Hartweizen 12–15 % kräftig, dehnbar feinporige, gelbe Krume
Einkorn / Emmer 12–18 % weich, kaum elastisch schonend, kurze Gare, Kastenform
Roggen 1150 8–10 % kein tragfähiger Kleber mischen statt kneten, Säure nötig

Feuchtkleber#

Der Feuchtkleber wird bestimmt, indem man aus einem Teig aus Mehl und Salzwasser die Stärke auswäscht. Zurück bleibt eine gummiartige, gequollene Klebermasse. Ihr Anteil am Mehl ist ein praktisches Maß für die Backstärke:

Feuchtklebergehalt Bewertung Eignung
unter 22 % schwach Kekse, Kuchen, Mischungen
22–26 % mittel Brötchen mit kurzer Führung, Mischbrote
26–32 % gut bis sehr gut Weizenbrote, Baguette, lange Führungen
über 32 % sehr stark sehr weiche Teige, Panettone, Kühlschrankführungen über 24 h

Feuchtkleber enthält etwa zwei Drittel Wasser; der Trockenkleber macht also rund ein Drittel aus. Neben der Menge zählt die Qualität: Ein dehnbarer, aber standfester Kleber ist wertvoller als ein reichlicher, kurzer (reißender) oder ein reichlicher, weicher (fließender).

Kleber selbst testen

Mische 50 g Mehl mit 25–30 g Wasser zu einem festen Teig, lass ihn 20 Minuten ruhen und knete ihn dann unter einem dünnen Wasserstrahl, bis das Wasser klar abläuft. Die zähe Masse in deiner Hand ist der Feuchtkleber. Wiege sie und rechne in Prozent vom Mehl um. Zieh sie anschließend auseinander: Dehnt sie sich weit und federt zurück, ist das Mehl backstark.

Wasseraufnahme#

Die Wasseraufnahme beschreibt, wie viel Wasser ein Mehl binden kann, bis ein Teig eine bestimmte Festigkeit erreicht. Im Labor wird sie mit dem Farinographen gemessen (Weizen 550 liegt dort meist bei 56–62 %). Sie hängt von mehreren Faktoren ab:

Faktor Wirkung auf die Wasseraufnahme
Eiweißgehalt +1 % Eiweiß ≈ +1–1,5 Punkte Wasser
Stärkebeschädigung beim Mahlen beschädigte Stärke bindet ein Mehrfaches an Wasser – feine, harte Vermahlung erhöht die Aufnahme
Schalenanteil / Typenzahl je höher, desto mehr Wasser
Pentosane (Roggen) binden ein Vielfaches ihres Gewichts
Mehlfeuchte feuchtes Mehl (z. B. 15 % statt 12 %) nimmt weniger zusätzliches Wasser auf
Mahlfeinheit grobe Mahlung nimmt langsamer, aber oft insgesamt viel Wasser auf

Für die Praxis wichtiger als der Laborwert ist die Hydration, die ein Brot verträgt – die Wassermenge in Prozent vom Mehl. Sie hängt außerdem vom Brottyp, der Führung und deinem handwerklichen Geschick ab. Die folgende Tabelle nennt Richtwerte für freigeschobene Brote; Kastenbrote vertragen 3–5 Punkte mehr. In Teigausbeute ausgedrückt gilt TA = 100 + Hydration.

Mehl Hydration % Teigausbeute
Weizen 405 55–62 TA 155–162
Weizen 550 60–70 TA 160–170
Weizen 812 / Ruchmehl 65–74 TA 165–174
Weizen 1050 66–75 TA 166–175
Weizenvollkorn 72–85 TA 172–185
Dinkel 630 58–65 TA 158–165
Dinkel 812 62–68 TA 162–168
Dinkel 1050 64–72 TA 164–172
Dinkelvollkorn 70–80 TA 170–180
Roggen 997 70–78 TA 170–178
Roggen 1150 72–82 TA 172–182
Roggen 1370 75–85 TA 175–185
Roggen 1740 / Vollkorn 80–90 TA 180–190
Roggenschrot 85–100 TA 185–200
Emmer / Einkorn (Vollkorn) 60–72 TA 160–172
Hartweizen (Semola rimacinata) 60–70 TA 160–170
Khorasan / Kamut 62–72 TA 162–172

Zu- und Abschläge:

  • Wasser für Brüh- und Quellstücke rechnest du separat (Saaten etwa 100 %, Leinsaat 150–200 %, Schrot im Brühstück 100–200 % des Gewichts).
  • Lange Autolyse oder Fermentolyse: +2–3 Punkte.
  • Frisch gemahlenes Mehl: −2–5 Punkte.
  • Einsteiger beginnen am unteren Ende des Bereichs und steigern sich von Backtag zu Backtag.

Rechenbeispiel: Mehlmischung

Ein Brot aus 700 g Weizen 1050 (Mitte 70 %) und 300 g Roggen 1150 (Mitte 77 %) braucht etwa 0,7 × 70 + 0,3 × 77 = 49 + 23,1 = 72,1 % Wasser, also rund 720 g auf 1000 g Mehl. Für den ersten Versuch startest du mit 690–700 g und gibst den Rest beim Kneten nach Gefühl zu.

Rechner: Wasser & Hydration für deine Mehlmischung

Richtwerte für freigeschobene Brote; Wasser von Brüh- und Quellstücken extra rechnen. Anfänger beginnen am unteren Ende.

Typischer Fehler

Rezepte aus Büchern und Blogs sind mit einem ganz bestimmten Mehl entwickelt. Dein Mehl kann bei gleicher Type 3–8 Punkte mehr oder weniger Wasser brauchen. Halte beim ersten Backen 5–10 % des Wassers zurück und gib es nur zu, wenn der Teig es verlangt. Notiere, was dein Mehl verträgt.

Fallzahl und Enzyme#

Die Fallzahl (nach Hagberg) misst die Aktivität der stärkeabbauenden Amylase im Mehl. Dazu wird eine Mehl-Wasser-Suspension im kochenden Wasserbad verkleistert; anschließend misst man, wie viele Sekunden ein Rührstab braucht, um durch den Kleister nach unten zu sinken. Viel Amylase baut die Stärke schnell ab, der Kleister wird dünn, der Stab fällt schnell – niedrige Fallzahl = hohe Enzymaktivität.

Fallzahl Weizen Roggen Folgen im Brot
unter 150 s zu enzymreich (Auswuchs) enzymreich, nur mit kräftiger Säuerung klebrige, feuchte Krume, Wasserstreifen, dunkle Kruste
150–220 s grenzwertig gut (ideal ca. 120–200 s, je nach Quelle) bei Roggen normal; bei Weizen eher weiche Krume
220–350 s gut (ideal ca. 250–350 s) enzymarm ausgewogene Gärung und Bräunung
über 350–400 s enzymarm sehr enzymarm, Gefahr von Trockenrissen blasse Kruste, geringes Volumen, trockene Krume

Eine zu niedrige Fallzahl entsteht vor allem durch Auswuchs: Bei feuchter Witterung zur Erntezeit beginnen die Körner auf dem Halm zu keimen und bilden viel Amylase. Zu hohe Fallzahlen kommen nach sehr trockenen Sommern vor. Mühlen gleichen das durch Mischen verschiedener Partien aus; bei Weizenmehl wird mitunter enzymaktives Backmalz zugesetzt.

Pentosane im Roggen#

Roggenmehl enthält etwa 6–8 % Pentosane (Arabinoxylane), Weizenmehl nur 2–3 %. Diese Schleimstoffe binden ein Vielfaches ihres Eigengewichts an Wasser, machen Roggenteige klebrig und plastisch und halten die Krume lange saftig. Sie übernehmen einen Teil der Gashaltung, die beim Weizen der Kleber leistet. Säure verbessert ihre Quellfähigkeit zusätzlich.

Zusammen mit den Amylasen erklären die Pentosane, warum Roggen anders behandelt werden muss:

Merkmal Weizen Roggen
Gerüstbildner im Teig Kleber Pentosane + gequollene Stärke
Kneten intensiv, Kleber entwickeln kurz mischen, Struktur entsteht durch Quellung
Säuerung optional (Aroma) nötig, um Amylasen zu bremsen
Wassermenge 60–75 % 75–90 %
Teigtemperatur 24–26 °C 27–30 °C
Krume locker, elastisch dicht bis mittelporig, feucht, schnittfest

Ascorbinsäure#

Ascorbinsäure (Vitamin C, E 300) wirkt im Teig als Mehlbehandlungsmittel: Sie wird beim Kneten zu Dehydroascorbinsäure oxidiert, die den Abbau stabilisierender Schwefelbrücken im Kleber bremst. Der Teig wird straffer, gashaltender und liefert mehr Volumen. Die übliche Dosierung liegt im Bereich weniger Milligramm je Kilogramm Mehl (grob 20–100 mg/kg). In Deutschland ist Ascorbinsäure in Haushaltsmehlen selten, in manchen französischen, schweizerischen und amerikanischen Mehlen sowie in Backmitteln aber üblich. Für Hobbybäcker ist sie verzichtbar: Lange Führungen, Vorteige und richtiges Kneten erreichen eine vergleichbare Teigstabilität. Bei sehr schwachen Mehlen kann eine Messerspitze auf mehrere Kilogramm Mehl helfen – mehr macht den Teig zäh und kurz.

Mehlreife und Lagerung#

Mehlreife#

Frisch gemahlenes Weizenmehl ist noch nicht backfertig. In den ersten Wochen nach dem Mahlen oxidieren Bestandteile des Mehls an der Luft; der Kleber wird dadurch straffer und das Mehl heller. Mühlen lassen Weizenmehl deshalb meist zwei bis vier Wochen reifen (ablagern), Roggenmehl etwas kürzer. Unreifes Weizenmehl ergibt weiche, schnell erschlaffende Teige mit geringerem Volumen.

Lagerdauer nach dem Mahlen Weizenmehl (hell) Roggenmehl
0–7 Tage unreif: weicher Kleber, klebriger Teig noch etwas unruhig
2–4 Wochen optimal gereift gut verarbeitbar
2–6 Monate stabil stabil
über 6–12 Monate Backeigenschaften lassen allmählich nach Säuregrad steigt, Aroma wird flacher

Richtig lagern#

  • Trocken: Mehl zieht Feuchtigkeit und Gerüche an. Ideal sind weniger als 65 % relative Luftfeuchte.
  • Kühl: 15–20 °C, nicht neben Herd oder Heizung.
  • Dunkel und luftig verschlossen: Gut schließende Dosen oder Gläser schützen vor Mehlmotten und Gerüchen; Papiertüten in einer geschlossenen Box sind ebenfalls geeignet.
  • First in, first out: Älteres Mehl zuerst aufbrauchen, neues nicht oben auf alte Reste schütten.
Mehlsorte Haltbarkeit (richtig gelagert) Hinweise
Helles Weizen- und Dinkelmehl 6–12 Monate Mindesthaltbarkeitsdatum ist ein guter Anhaltspunkt
Roggenmehl (Type) 6–9 Monate
Vollkornmehl (Weizen, Dinkel, Roggen) 1–3 Monate Keimlingsfett wird ranzig; Geruch und Geschmack prüfen
Frisch gemahlenes Vollkornmehl einige Tage bis ca. 2 Wochen bei Raumtemperatur; länger kühl oder gefroren am besten bedarfsgerecht mahlen
Ganze Körner 1–2 Jahre und mehr trocken (unter 14 % Feuchte), kühl, luftig

Mehlmotten

Gespinste in der Packung, verklumptes Mehl oder kleine graue Falter in der Küche deuten auf Mehlmotten hin. Befallenes Mehl entsorgen, Schränke gründlich aussaugen und mit Essigwasser auswischen. Neues Mehl einige Tage einfrieren tötet eventuelle Eier ab. Ranzig oder muffig riechendes Mehl gehört ebenfalls nicht mehr ins Brot.

Frisch gemahlenes Mehl#

Mit einer Haushaltsmühle mahlst du Vollkornmehl genau dann, wenn du es brauchst – mit vollem Aroma und allen Inhaltsstoffen. Einige Besonderheiten solltest du kennen:

Aspekt Was du beachtest
Wassermenge 2–5 Punkte weniger als bei abgelagertem Mehl, der Kleber ist anfangs weicher
Verarbeitung viele Bäcker verarbeiten frisch gemahlenes Mehl sofort oder innerhalb weniger Stunden; alternativ einige Wochen ablagern lassen
Mahlgrad für Brot fein mahlen; grob gemahlenes Mehl braucht längere Quellzeit
Temperatur Steinmühlen erwärmen das Mehl; vor dem Kneten Temperatur messen und Wassertemperatur anpassen
Getreidequalität gereinigtes Speisegetreide kaufen, vor dem Mahlen auf Steinchen und Mutterkorn prüfen
Teigführung Vorstufen (Autolyse, Quellstück, Sauerteig) verbessern Wasserbindung und Teigstabilität

Praxistipp: Sanfter Einstieg

Ersetze zunächst 20–30 % des Mehls in einem bewährten Rezept durch frisch gemahlenes Vollkornmehl und erhöhe das Wasser um 3–5 Punkte. So lernst du das Verhalten deines Getreides kennen, ohne gleich ein ganzes Brot zu riskieren.

Mühle oder Supermarkt?#

Supermarktmehle sind preiswert und gleichbleibend, weil große Mühlen viele Partien mischen. Regionale Mühlen bieten dagegen oft eine größere Auswahl, frischere Ware und besondere Mehle.

Kriterium Supermarkt Regionale Mühle / Mühlenladen
Auswahl meist Weizen 405/550/1050, Dinkel 630, Roggen 1150, wenige Vollkornmehle alle Typen, Urgetreide, Schrot, Flocken, Backmalz, oft auch Körner
Gleichmäßigkeit sehr gleichmäßig über das Jahr kann je nach Ernte schwanken
Frische oft mehrere Monate alt häufig frischer, Mahldatum teils erkennbar
Angaben Type, Nährwerte auf Nachfrage oft Eiweiß, Feuchtkleber, Fallzahl
Gebindegröße 1 kg 1–25 kg, im Großgebinde günstiger
Preis niedrig höher, bei Großgebinden konkurrenzfähig

Für den Anfang genügen Supermarktmehle völlig. Sobald du regelmäßig backst, lohnt sich der Weg zur Mühle – vor allem für Roggen-, Vollkorn- und Urgetreidemehle sowie für Weizenmehl mit hohem, gleichmäßigem Klebergehalt. Ein Blick auf das Eiweiß in der Nährwerttabelle hilft schon im Supermarkt: Weizenmehl 550 mit 11–13 % Eiweiß eignet sich besser für Brot als eines mit 9–10 %.

Mehle im Zutatenkatalog

Im Zutatenkatalog der App kannst du deine Mehle mit Type, Eiweiß und deinen Erfahrungen zur Wasseraufnahme hinterlegen. So weißt du beim nächsten Rezept, ob du die Wassermenge anpassen musst.

Mehle austauschen#

Nicht immer hast du das Mehl im Haus, das ein Rezept verlangt. Diese Übersicht zeigt, was sich wie ersetzen lässt:

Im Rezept Ersatz Anpassung
Weizen 550 Weizen 812 oder 405 + 10 % Weizen 1050 812: Wasser +2–4 Punkte; 405: Wasser −2–4 Punkte
Weizen 1050 Weizen 550 + 20–30 % Weizenvollkorn Wasser ähnlich, etwas längere Teigruhe
Ruchmehl Weizen 1050 (+10–20 % Weizenvollkorn) Wasser ähnlich
Weizen 550 Dinkel 630 Wasser −3–5 Punkte, kürzer kneten, Gare etwas verkürzen
Dinkel 630 Weizen 550 Wasser +3–5 Punkte, normal kneten
Roggen 997 Roggen 1150 Wasser +2–3 Punkte
Roggen 1370 Roggen 1150 + 20 % Roggenvollkorn Wasser ähnlich
Weizenvollkorn Dinkelvollkorn Wasser −3–5 Punkte, schonender kneten
Semola rimacinata feiner Hartweizengrieß, 1–2 h länger quellen Wasser +2–3 Punkte
Bread Flour (USA) Weizen 550 mit 12–13 % Eiweiß Wasser meist 2–5 Punkte weniger als im Originalrezept
T65 (Frankreich) Weizen 550 + 20–30 % Weizen 1050 Wasser ähnlich

Weizen gegen Roggen tauschen?

Weizen und Roggen lassen sich nicht einfach eins zu eins austauschen. Wer in einem Weizenbrot mehr als etwa 20–30 % durch Roggen ersetzt, braucht Säure (Sauerteig), mehr Wasser, kürzeres Kneten und eine höhere Teigtemperatur. Umgekehrt verlangt ein Roggenbrot mit Weizen weniger Wasser und mehr Knetarbeit. Solche Umstellungen sind eigentlich ein neues Rezept.

Rechner: Mehltype mischen

Die Typenzahl (Mineralstoffe in mg je 100 g Trockenmasse) mischt sich linear. Vollkornmehl entspricht etwa Type 1600–1800 (Weizen ≈ 1700, Roggen ≈ 1800, Dinkel ≈ 1650). Farbe und Mineralstoffe stimmen dann, Kleber und Wasseraufnahme nur ungefähr.

Zusammenfassung#

Kennzahl Was sie sagt Faustregel
Typenzahl Mineralstoffe je 100 g Trockenmasse in mg höher = dunkler, aromatischer, durstiger, enzymreicher
Eiweiß Menge an Klebereiweiß (bei Weizen) Brotmehl 11–13 %, Kuchenmehl 9–11 %
Feuchtkleber backwirksamer Kleber 26–32 % für gute Weizenbrote
Fallzahl Enzymaktivität Weizen 250–350 s, Roggen ca. 120–200 s
Wasseraufnahme Wasserbedarf dem eigenen Mehl anpassen, 5–10 % zurückhalten
Mehlreife Kleberstabilität Weizenmehl 2–4 Wochen ablagern lassen

Wie Wasser, Salz, Hefe und weitere Zutaten mit dem Mehl zusammenspielen, erfährst du im nächsten Kapitel: Wasser, Salz, Hefe & weitere Zutaten. Wie du aus den Richtwerten konkrete Rezeptmengen errechnest, steht im Kapitel Rechnen in der Backstube.